Wir gedenken des Installateurs und Klempners Hermann Chickowsky, zuletzt wohnhaft in Kempen, Rabenstr. 11.

Geboren:           23.12.1895 in Kempen
Gestorben:         1944 in Rumänien/Bessarabien
Opfergruppe:     Jude
Verlegeort:         Rabenstraße 11
Verlegedatum:   22.6.2020
Patenschaft:             –

Hermann Chickowsky ist Marxist. Er strebt eine bessere Welt an, in der alle Menschen Genossen sind. Nach ihrer Machtübernahme am 30. Januar 1933 haben die Nazis ihn mit den anderen Kempener Kommunisten ins Anrather Zuchthaus gesperrt und ihre Organisation zerschlagen.

 

 

 

 

 

 

Foto: Walter Chickowsky

Aber im Mai 1933 aus Anrath entlassen, wirkt Hermann Chickowsky heimlich beim Wiederaufbau einer illegalen KPD mit. Er verteilt im Untergrund Zeitschriften gegen die Nazis und bittet die Genossen um finanzielle Unterstützung für politische Gefangene. Dafür wird er 1936 mit anderen Kommunisten in Krefeld vor Gericht gestellt und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Den größten Teil der Strafe verbüßt er im Zuchthaus Lüttringhausen. Bei Kriegsbeginn, im September 1939, wird Hermann Chickowsky, damals schon 44 Jahre alt, für neun Monate in ein Strafbataillon eingezogen. Hier verbringt er im Rahmen einer so genannten Frontbewährung den restlichen Teil seiner Strafe mit gefährlichen Aufträgen wie dem Räumen von Minen.

Aber die Kempener Nationalsozialisten suchen nach einer Gelegenheit, ihn endgültig „unschädlich“ zu machen. Die bietet sich, als 1942 die Bewährungsdivision 999 aufgestellt wird. Hierhin werden Nazigegner zwangsrekrutiert, um sie unter Kontrolle zu haben und in besonders riskanten Einsätzen zu “verheizen“. In enger Zusammenarbeit stellen das Kempener Wehrmeldeamt, die Kempener Polizei und die NS-Ortsgruppe eine Liste mit Nazi-Gegnern auf, die wegen ihres Widerstands im Zuchthaus gesessen haben. In Kempen ist es der „alte Kämpfer“ Adolf Valerius, 1930 Begründer des ersten NS-Stützpunkts in seiner Wohnung Mülhauser Straße 4, der Hermann Chickowsky den Einberufungsbescheid überbringt – mit den Worten: „Dieses Kommunisten-Nest wird jetzt ausgehoben!“ „Ich war erst vier Jahre damals“, erinnert sich Hermann Chickowskys Sohn Walter, der heute noch in Kempen lebt. „Aber diesen Auftritt des fanatischen Nationalsozialisten habe ich nicht vergessen. Denn er wollte, dass mein Vater nicht zurückkommt.“ Im Spätsommer 1944 ist Hermann Chickowsky – wohl durch Partisanen – bei einem Einsatz im rumänischen Bessarabien umgekommen.